Wahlauswertung

„Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten.“

Verfolgt man die Wahlsendungen am Tag einer Bundestags- oder Landtagswahl, so verwundert es mitunter, wie aus den abgegebenen Stimmen die Mandate vergeben werden. Rechnet man nach, so ist es nicht unbedingt so, dass eine Partei mit 20% aller Stimmen auch genau 20% der Mandate erhält. Die Ursache hierfür liegt zum einen in dem verwendeten Berechnungsverfahren und zum anderen auch in der sogenannten 5%-Hürde. Dies bedeutet, dass eine Partei mindestens 5% der Stimmen erhalten muss, um in das jeweilige Parlament einzuziehen. Andernfalls werden diese Stimmen einfach ignoriert.

In diesem Teilprogramm können Sie vier verschiedene Berechnungsverfahren für die Mandatsvergabe vergleichen. Zuerst legen Sie die Anzahl der Mandate sowie die Höhe der Prozenthürde fest. Dies muss nicht unbedingt 5% sein, da zum Beispiel 5% aller Stimmen in der Bundesrepublik Deutschland über 1 Million Wähler bedeutet. Da das Ignorieren der Meinung einer solch großen Gruppe fragwürdig ist, gibt es in letzter Zeit Diskussionen, diese Hürde evtl. auf einen kleineren Wert festzulegen.

WahlauswertungTragen Sie nun in die Tabelle die Parteien und deren Stimmen ein. Mit dem Schalter Berechnung ermittelt das Programm nach vier verschiedenen Verfahren die Vergabe der Mandate.

Verfahren nach d’Hondt
Jede Partei erhält einen Quotienten zugewiesen, der anfangs gleich der Stimmenanzahl ist. Die Partei mit dem größten Quotienten bekommt das erste Mandat und einen neuen Quotienten zugewiesen, gleich Stimmenzahl / (Mandate + 1). Das nächste Mandat erhält die Partei, die nun den größten Quotienten besitzt. Das Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis alle Mandate vergeben sind.

Verfahren nach Hare-Niemeyer
Für jede Partei wird die Anzahl ihrer Stimmen durch die Anzahl aller Stimmen dividiert und dann mit der Anzahl aller Mandate multipliziert. Die Partei erhält zunächst so viele Mandate, wie das ganzzahlige Ergebnis angibt. Eventuell aufgrund der Rundung übrig bleibende Mandate werden an die Parteien mit den größten gebrochenen Anteilen vergeben.

Verfahren nach Hagenbach-Bischoff
Die Gesamtstimmenzahl wird durch die um 1 erhöhte Anzahl der Mandate geteilt und auf die nächste ganze Zahl aufgerundet. Die Mandate der Parteien erhält man, indem man die Parteistimmenzahl durch diesen Wahlquotienten teilt und auf die nächste ganze Zahl abrundet. Bleiben Mandate übrig, so wird die Stimmenzahl jeder Partei durch die um 1 erhöhte Zahl der ihr bereits zugewiesenen Mandate geteilt. Das erste der noch zu verteilenden Mandate wird der Partei mit der größten Verteilungszahl zugewiesen. Das Verfahren wird fortgesetzt, bis alle Mandate vergeben sind.

Automatisches Verfahren
Dieses Verfahren kam in der Weimarer Republik zur Anwendung. Dabei wird ein bestimmter Stimmenanteil für die Zuordnung eines Abgeordnetensitzes gesetzlich festgelegt, d.h., wenn zum Beispiel 120000 Stimmen notwendig sind, erhält eines Partei mit 370000 Stimmen drei Mandate, eine Partei mit 119000 Stimmen keinen Sitz.

In diesem Teilprogramm wird die maßgebliche Stimmenzahl ermittelt, indem die Anzahl der Wahlberechtigten durch die Mandatszahl geteilt wird. Ist die Anzahl der Wahlberechtigten nicht bekannt, werden die abgegebenen Stimmen gezählt.

Dieses Verfahren hätte allerdings zur Folge, dass ein Parlament ziemlich klein wäre, wenn die Menschen aus Politikfrust nicht zur Wahl gingen. Insbesondere die Länderparlamente der letzten Jahre wären sehr klein. In diesem Fall müssten sich unsere Politiker doch etwas anstrengen, um ihre gut bezahlten Jobs zu behalten.

Für dieses Verfahren ist eine Prozenthürde ohne Bedeutung, die Hürde liegt in der notwendigen Stimmenzahl.

In sehr vielen Fällen liefern die drei ersten Verfahren gleiche Mandatsverteilungen. Dies muss aber nicht sein.
Das Verfahren nach Hare-Niemeyer begünstigt zum Beispiel die kleineren Parteien. Welches der Verfahren das Beste ist, kann natürlich nicht festgelegt werden.

Bei den österreichischen Nationalratswahlen wird das Verfahren des Schweizer Hagenbach-Bischoff für das erste Ermittlungsverfahren angewandt. Verbleibende Restmandate werden dann im zweiten Ermittlungsverfahren nach dem d’Hondtschen Verfahren zugewiesen. Das automatische Verfahren begünstigt im Normalfall keine Partei.

Das Verfahren nach dem belgischen Mathematiker d’Hondt war in der Bundesrepublik bis 1985 üblich. Seit 1985 wird nach dem Verfahren von Hare-Niemeyer gerechnet:

Zuerst werden im Wahlgebiet alle auf die Landesliste entfallenden Zweitstimmen addiert und die Mandate im Bundestag entsprechend verteilt. Bei erneuter Verrechnung nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren werden die den Parteien zugesprochenen Mandate auf deren einzelne Landeslisten verteilt. Hat eine Partei mehr Direktmandate (Siege in den Wahlkreisen) gewonnen, als ihr Mandate auf Länderebene zustehen, so bleiben ihr diese Überhangmandate erhalten. Dadurch kann vor der Wahl die genaue Größe des zukünftigen Bundestags nicht angegeben werden.
Bei einigen Landtagswahlen ist das anders. Dort werden Überhangmandate auf Kosten der anderen Parteien rückgerechnet.

Zum Testen des Teilprogramms finden Sie die Ergebnisse einer Vielzahl von Wahlen vor. Klicken Sie zum Laden der Werte auf die aufklappbare Liste und wählen Sie einen Eintrag aus.

Vorgesehen sind alle Bundestagswahlergebnisse, die Ergebnisse der österreichischen und schweizerischen Nationalratswahlen, die Ergebnisse der Volkskammerwahlen der DDR, die Europawahlen in Österreich und Deutschland und alle Ergebnisse der Landtagswahlen der deutschen und österreichischen Bundesländer, soweit sie ermittelbar waren. Darüber hinaus finden Sie auch einige Wahlergebnisse des deutschen Reichstages und deutscher Landtage vor 1945.

Beachten Sie bitte, dass die Zahlen in unterschiedlichen Veröffentlichungen abweichen. Wie das bei Wahlergebnissen möglich ist, bleibt unklar.
Außerdem zeigt das Programm die tatsächlich vergebenen Mandatszahlen. Mitunter entsprechen diese nicht der Berechnung. Dies liegt an Überhangmandaten, an anderen oder fehlenden Sperrklauseln (Deutschland vor 1945) oder an Zusatzbedingungen, wie zum Beispiel in Kärnten die Klausel, in mindestens einem Wahlkreis siegen zu müssen usw.

Wahlauswertung

Download

Die Auswertung der Wahlen ist auch als Einzelprogramm downladbar. (Stand: 20. Mai 2017)
In diesem Einzelprogramm können Sie auch für ausgewählte Wahlen die zeitliche Entwicklung der prozentualen Stimmanteile einzelner Parteien auswerten (Schalter Zeitliche Auswertung).
Nach der Auswahl einer Wahlart werden alle Parteien angezeigt, die wenigstens einmal den Wert „% > 0,0x“ (0,0x %) erzielten. Klickt man auf eine Partei, wird die zeitliche Entwicklung gezeichnet. Die kleinen Pfeilschalter verändern die Ordinatenachse.

Quelle der Daten zu den deutschen Wahlen:
http://www.wahlen-in-deutschland.de/index.html